VHS Henstedt-Ulzburg

Lesen: Ein Grundbedürfnis

Lesen: Ein Grundbedürfnis

(Autorin: Birgit Raguse)

Es ist, wie es ist – die Corona-Pandemie hat alles fest im Griff. So musste schon nahezu alles schließen, bis auf die lebensnotwendigen Geschäfte. Zwar alle nur für einen gewissen Zeitraum, aber die Schließungen wirken sich in der einen oder anderen Art auf jeden aus. Auch die Gemeindebücherei musste in mehreren Etappen schließen, und für die leseaffinen Bürgerinnen und Bürger war das eine wirkliche Herausforderung. Zwar gibt es jede Menge elektronische Angebote, doch nicht jedem liegt das.

Warum analog lesen

Das bringt mich zu der Frage, welche Vorteile haben analoge Bücher eigentlich? Nun, die häufigste Antwort, die auf den Hinweis auf das elektronische Angebot gegeben wurde, ist: „Ich brauche ein Buch in der Hand, ich möchte blättern, ich möchte es riechen.“ Aber wenn man tiefer geht, gibt es da noch wesentlich mehr, sowohl offensichtlich, gefühlsmäßig oder auch erforscht.

  • „Sie starren einen an und wollen gelesen werden.“ Ja, so ein Buch ist wirklich aufdringlich, es zwingt mich zu etwas, zu dem ich gar keine Zeit habe, aber das für mein Wohlbefinden so wichtig ist.
  • „Ich habe eine emotionale Bindung zu dem Objekt in meiner Hand.“ Genau, ich habe einen Schatz in meiner Hand, ich kann umblättern, die Buchstaben sprechen zu mir und meine Gefühle finden zwischen den Seiten Platz.
  • „Es ist einfach da, es steht im Regal, ich kann es ansehen.“ Ein Buch ist ein Objekt, es ist greifbar, und der Inhalt verschwindet nicht durch ein einfaches Wischen oder einen Knopfdruck.
  • „Ich sehe, wieviel ich geschafft habe und freue mich auf das Ende oder befürchte, dass es schnell vorbei ist.“ Ich merke schon, die rechte Seite wird leichter und leichter, und spätestens in zwanzig Minuten darf mich niemand mehr stören, weil ich es jetzt bis zum Ende lesen muss.
  • „Ich kann es einfach besser behalten, wenn ich es in einem gedruckten Buch gelesen habe“. Forschungen haben ergeben, dass es einem Großteil der Menschen leichter fällt, Inhalte aus einem gedruckten Buch präzise zu benennen als aus einem Buch von einem Bildschirm.
  • „Ein Buch gehört einfach unter den Weihnachtsbaum.“ Was gibt es Schöneres, als ein rechteckiges Paket auszupacken und von einem farbenfrohen Cover oder einem spannenden Titel überrascht zu werden, dann die Nase hineinzustecken und die ungelesenen Buchstaben für sich zu entdecken.

Nicht jeder hat die Affinität zu einem gedruckten Buch, aber die Ablenkung durch andere auf dem Bildschirm zu nutzende Dinge wie Spiele oder Online-Shopping ist erwiesen. Das Konzentrieren fällt schwerer, dadurch kann das Lese(durchhalte)vermögen leiden.

 

Hauptsache lesen

Andererseits hat das digitale Lesen auch viele Vorteile. Es wird wieder mehr gelesen auf Reisen, auf den Pendlerfahrten zur Arbeit, da das Mitführen eines E-Book-Readers so viel einfacher ist als den schweren dicken Wälzer oder die großformatige Tageszeitung mitzunehmen. Zudem kann man bis zu 2.000 Bücher dabeihaben, die je nach Stimmung gelesen werden können.

Auch haben Studien ergeben, dass die sich mit dem zusätzlichen Angebot der elektronischen Bücher die durchschnittliche Lesedauer von 35 auf 47 Minuten erhöht hat. Als letztes noch der Hinweis, dass die ursprüngliche Angst, E-Books könnten das analoge Buch vom Markt vertreiben sich nicht bewahrheitet hat. Im Gegenteil, die Verkaufszahlen kehren sich um. Interessant ist, dass dieses Phänomen vor allem auf den belletristischen Bereich zutrifft.

Es gibt also kein Gut und Schlecht. Das Kulturgut Lesen ist ein Grundbedürfnis der Menschen, sei es auf Papier oder auf dem Bildschirm. Und mit Blick auf die Pandemie können wir uns alle freuen, dass es inzwischen elektronische Bücher gibt.

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