„Do more of what makes you happy“

Ich habe ein Interview mit Lars Frühsorge geführt, der seit circa drei Jahren an der VHS- Henstedt-Ulzburg als Dozent arbeitet. Er sagte mir, dass ich seine Antworten noch mal lesen und ggf. kürzen solle. Alles was er gesagt hat, finde ich  interessant, so dass ich noch nicht einmal weiß, was ich euch unbedingt erzählen möchte, geschweige denn, was ich kürzen sollte.

Lars Frühsorge ist nicht nur VHS-Dozent, er ist Wissenschaftler der Ethnologie, erforscht fremde Gesellschaften und Kulturen, gibt Seminare an den Universitäten in Hamburg und Heidelberg, ist Autor, Berater und leidenschaftlicher Reisender. Früher war er hauptsächlich alleine und auf Grund wissenschaftlicher Forschung unterwegs, heute reiste er gerne privat mit seiner Frau und seinem Sohn, kann aber als geborener Forscher seine Leidenschaft nicht zu Hause lassen.

Bereits in der Schulzeit war ihm klar, dass er seine Leidenschaft zum Beruf machen möchte. Er wollte nicht fünf Tage die Woche, acht Stunden am Tag ein und denselben Job ausüben, der im lediglich Geld brachte, aber kein Spaß machte. „Do more oft what makes you happy“, war damals schon seine Einstellung. Oder besser noch: „Just do, what makes you happy.“ Danke an dieser Stelle übrigens für die Erinnerung. Das Leben ist zum leben da und wenn man schon arbeiten muss, dann doch bitte mit Spaß und Leidenschaft.

Die Freude an seiner Arbeit weckt immer wieder neue Ideen in ihm: „In den letzten Jahren reise ich auch sehr viel mit meiner Frau und unserem kleinen Sohn. Meine Frau ist Krankenschwester und hat in ihrem Job sehr viel mit alten und sterbenden Menschen zu tun. Sie hat sich immer dafür interessiert, wie man in anderen Kulturen mit dem Tod umgeht. Und so ist ein weiteres Forschungsfeld entstanden, an dem wir gemeinsam arbeiten.“

 

Amerika-Leidenschaft

Aber, wie entsteht denn so eine Leidenschaft zu Süd- und Mittelamerika und wie kann ich diese Leidenschaft zu meinem Beruf machen. Der Dozent berichtet:

„Wie viele Jugendliche habe ich mich schon früh für Indianer begeistert. Nach dem Abitur bin ich zuerst nach Mexiko gereist und ein Jahr später nach meinem Zivildienst dann nach Peru und Bolivien. Diese Reisen waren einerseits sehr eindrucksvoll, andererseits habe ich während des Zivildienstes Menschen kennengelernt, die in ihren Jobs sehr schlecht waren, weil sie sich einfach nicht für ihre Arbeit begeistern konnten. Und so habe ich mich entschlossen, meine Leidenschaft auch zum Beruf zu machen. Das war im Jahr 2001.”

 

Der Weg zum Ziel

“Damals konnte man an der Universität Hamburg ein Fach namens „Altamerikanistik“ studieren. Als Nebenfächer habe ich „Geschichte“ und „Lateinamerikastudien“ gewählt. Hamburg hat ja eine lange Tradition des Handels mit Lateinamerika und so finden sich auch in den dortigen Bibliotheken und Museen noch viele unerforschte Schätze. Schwerpunkt in der Hamburger Altamerikanistik war aber nicht Südamerika und die Kultur der Inkas, sondern Mittelamerika, also Mexiko, Guatemala und Belize, wo vor Ankunft der Europäer die Maya und Azteken lebten.”

“Im Studium habe ich mich auf die Maya spezialisiert. Ich habe viele Monate Feldforschungen in Guatemala betrieben. Viele Menschen wissen gar nicht, dass dort bis heute mehrere Millionen Maya leben, die nicht nur die Sprachen, sondern auch viele Traditionen ihrer Vorfahren bewahrt haben. Ich habe also lange Zeit in verschiedenen Dörfern verbracht, bei einheimischen Familien gelebt, ihren Glauben, mündliche Überlieferungen aber auch das ganz alltägliche Leben dokumentiert. Auf diese Weise wollte ich erfahren, wie viel von der alten Kultur bis heute überdauert hat und wie das Wissen der heutigen Maya uns helfen kann, die Geschichte ihrer Vorfahren besser zu verstehen.”

 

Maya Spezialist

“2010, nach Abschluss meiner Doktorarbeit, war ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter im „Museum für Völkerkunde“ in Hamburg tätig, wo es eine große Ausstellung über die Maya gab. In der Zeit war das Interesse an den Maya sehr groß. Es gab da so ein Gerücht, dass die Maya für das Jahr 2012 das Ende der Welt vorhergesagt hätten. Das war zwar alles nur ein Schwindel, eine Erfindung geschäftstüchtiger Esoterik-Autoren, aber ich habe damals Vorträge in ganz Deutschland gehalten und viele Interviews gegeben. Denn gerade im Internet haben sich solche Fake News sehr schnell verbreitet, und vielen Menschen große Angst gemacht. Generell ist es für viele Menschen schwierig, seriöse und unseriöse Inhalte in den Neuen Medien zu unterscheiden. Aus diesem Grund haben wir an der VHS Anfang des Jahres auch einen neuen Online-Kurs entwickelt, in dem die Grundlagen der Recherche und des wissenschaftlichen Arbeitens vermittelt werden.”

“Außerdem war ich einige Jahre in der „Völkerkundesammlung“ in Lübeck tätig. Ein Ergebnis meiner dortigen Arbeit ist mein neuestes Buch über einen frühen Weltreisenden aus Schleswig-Holstein namens „Gustav Pauli“. Der hat schon vor 150 Jahren die ganze Welt bereist.”

“Was mich an seiner Lebensgeschichte so interessiert hat, sind die vielen aktuellen Bezüge. So besuchte er in Griechenland ein Lager afrikanischer Flüchtlinge, die schon damals auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa das Mittelmeer überquerten. Er bereiste auch den Irak und Syrien, beschäftigte sich mit dem Verhältnis von Politik und Islam und fragte sich, welche Interessen z.B. Russland in dieser Weltgegend verfolgt.”

 

Geschichte ist so langweilig

Es gibt wirklich uninteressante Bücher über etliche geschichtliche Geschehnisse. Und sicherlich erinnert sich der ein oder andere auch noch an einen alten, verschrobenen Geschichtslehrer aus der Schule, der regelmäßig wichtige Daten in Klassenarbeiten abfragte. Es ist nicht schwer, Kindern und Jugendlichen das Interesse an Geschichte zu nehmen. Es ist aber auch ganz einfach es ihnen zu erhalten. Kinder haben keine Vorurteile, stellen ganz andere Fragen, denke über andere Dinge nach, als wir Erwachsenen es tun.

Kinder sind Neugierig und offen, haben keine Angst für fremden, anderen Kulturen. „Eigentlich interessieren sich fast alle Kinder für fremde Länder und vergangene Zeiten. Wenn man früh genug Museen oder historische Stätten besucht und die richtigen Bücher liest, dann kann man viele Hemmschwellen, die Jugendliche später vor dem Besuch eines Museums haben, vermeiden.“, so Lars Frühsorge.

 

Bleibt neugierig

Er bedauert, dass viele Museen und Wissenschaftler komplizierte Details oft nicht kindgerecht vermitteln können. Und dass heute vor allem negative Schlagzeilen über Kriege und Konflikte in fernen Ländern, in den Medien auftauchen.

„Damit weckt man bei Kindern wenig Sympathie. Und Erwachsene neigen sowieso nur dazu, kulturelle Unterschiede zu sehen. Umso wichtiger finde ich es, auch über Gemeinsamkeiten zu sprechen, zu erklären was den Reichtum dieser verschiedenen Kulturen ausmacht, was sie einzigartig macht und was wir vielleicht von ihnen lernen können. Natürlich darf man dabei auch die Differenzen nicht verschweigen, sondern muss ganz wertfrei erklären, wo die Wurzeln unserer heutigen Konflikte liegen. Und man muss Kindern Anknüpfungspunkte geben, Dinge mit denen sie sich identifizieren können.”

“Die beste Möglichkeit sind natürlich Reisen, bei denen sich Kinder selbst ein Bild machen können. Hotels und andere touristische Angebote findet man in fast allen Ländern der Welt und wenn ein Mindestmaß an Hygiene und Komfort beachtet wird, kann man auch mit kleinen Kindern auf allen Kontinenten problemlos reisen. Gerade jüngere Kinder sind ja viel offener und neugieriger als Erwachsene. Die Hautfarbe oder Religion spielt für sie gar keine Rolle und mit ein paar positiven Eindrücken kann man so vielen Vorurteilen vorbeugen, mit denen sich Kinder heute leider sogar oft schon im Kindergarten konfrontiert sehen. Kindern sind auch ein wunderbarer Türöffner, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Wenn ich mit Frau und Kind unterwegs war, habe ich davon auch in meiner Forschungsarbeit immer sehr profitiert.“

 

Reisen verbindet, bildet und macht glücklich

Mich macht es zumindest glücklich, wie ihr in meinen Artikeln sicher schon rauslesen konntet. Ich unterschreibe die Aussage von Lars Frühsorge, dass Reisen die beste Möglichkeit ist, Kindern die Welt näher zu bringen, ihnen die Angst vor der Fremde zu nehmen. Würde sogar behaupten, dass sich so Rassismus vorbeugen lässt. Niemand kann  Rassist werden, wenn er überall auf der Welt Freunde hat oder zumindest nette Menschen kennengelernt hat. Selbstverständlich können sich nicht alle Menschen Fernreisen leisten – schon gar nicht mit vielen Kindern. Oft reicht es aber schon in das Nachbarland zu fahren, neue Menschen, andere Sitten kennenzulernen. Ich kann bereits bei einer Familie im Nachbarland andere Bräuche kennenlernen. Kann mich dort  inspirieren oder mir die Angst vor der Andersartigkeit nehmen lassen.

 

Reisen ohne Geld

Es gibt etliche, günstige Möglichkeiten des Reisens: Camping und Backpacking sind nur eine davon. Es gibt „Haus- und Wohnungstauschferien“, man kann mit Hilfe des „Haussittings“ neue Orte bereisen. Wenn man möchte, kann man auch mit wenig Geld die Welt kennenlernen. Wie gesagt „wenn ein Mindestmaß an Hygiene und Komfort beachtet wird, kann man auch mit kleinen Kindern auf allen Kontinenten problemlos reisen.“ Aus eigener Erfahrung, kann ich sagen, dass Kinder kein hohes Maß an Komfort brauchen.

Also, geht raus in die Welt und berichtet davon!

Meine Wunschliste, der Länder die ich sehen möchte, ist noch lang. Wo wollt ihr unbedingt noch hin? Erzählt mir in den Kommentaren davon.

Bis dahin
eure Lina

P.s.: Im nächsten Blog-Artikel folgt dann noch eine kleine Südamerika-Geschichte von einer meiner Reisen. Sie passt zum Thema „Manipulation & Vertrauen“. Außerdem verrät Lars Frühsorge euch noch einen Reisetipp.

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